Das Ensemble
Wie wohl kein anderes Instrument ist das Saxophon zu Symbol und Ikone des Jazz geworden. Jedoch neben diesem coolen und existentialistischen Nimbus, bekleidet das Saxophon eine besondere Rolle in der Sphäre klassischer Musik.
Sein Erfinder und Namensgeber, der belgische Instrumentenbauer Adolphe Sax, plante und baute das Instrument um 1840 mit dem Ziel, im traditionellen sinfonischen Orchester eine Klangfarbe zu integrieren, die Streicher und Bläser verbinden, sozusagen zwischen diesen beiden Gruppen vermitteln sollte.
Welch unvergleichlich noblen Ausdruck dieses Instrument erwecken kann, zeigt Maurice Ravel in seiner berühmten Orchestrierung von Modest Mussorgskys Klavierwerk „Bilder einer Ausstellung". Die Cantilene „Das alte Schloß" Instrumentiert er als Solo für Alt-Saxophon.
Sax Allemande folgt ebenfalls dieser Tradition des klassischen Saxophons. Arend Hastedt, Markus Maler und Frank Schüssler gründeten das Ensemble nach ihren Studien in München, Basel und Zürich mit dem Ziel, die Kunst des Instrumentalspiels und den wunderbaren klassischen, konzertanten Saxophonklang weiterzuentwickeln und um eine Facette zu bereichern."Uns beschäftigte nach Ende unserer Studienzeit die Frage nach dem idealen Saxophonensemble. Im Quartettspiel übt sich die Saxophonwelt ja seit einigen Generationen, seit nämlich Sigurd Rascher und Marcel Mule ein Pendant zum Streichquartett ersonnen haben mit Sopran, Alt, Tenor und Baritonsaxophon - eine kraftvolle, vielseitige und wohlklingende Besetzung, für die im Laufe der Zeit viele interessante Werke entstanden sind.
Wir fanden das Klangbild des Saxophonquartetts jedoch immer etwas zu volltönend, zu chorisch, zu dick. Manchmal erinnerte uns dieser Klang eher an die Reedsection einer Bigband als an ein Kammermusikensemble. Das liegt einerseits am voluminösen Klang des Saxophons, andererseits an den mit Bariton, Tenor und Alt massiert vertretenen tieferen Lagen. Man bedenke, dass im Streichquartett zwei Sopraninstrumente vertreten sind, während zwischen Viola und Violoncello eine ganze Oktave Abstand liegt - eine leichtfüßige und transparente Mischung.
Unser Trio Sax Allemande gründeten wir 1996 also mit der Idee, die sparsame Effizienz eines dreistimmigen Satzes mit der druckvollen, dynamischen Präsenz des Saxophonklangs zu paaren, um eine feine Balance zwischen Klangkraft und kammermusikalischer Leichtigkeit zu erzielen.
Wir hatten unseren Traumklangkörper gefunden.
Sopran und Baritonsaxophon in den Außenstimmen geben die stimmliche Spannweite und komprimieren farbliche Dramatik wenn sie nach innen springen. Das Alt ist Leim, Herz und Motor des Satzes, kann sich jeweils zur Ober oder Unterstimme gesellen. Der dreistimmige Satz ist dichter und reicher ausgekleidet, er emanzipiert die einzelne Stimme und tendiert naturgemäß mehr zur polyphonen Architektur, denn zum Akkordischen. Hier eignet sich die Saxophontriobesetzung bestens um den dynamischen Raum aufzufüllen." (Ensemble-Magazin 4-2009)